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Überziehungskredit ist am teuersten


Überziehungskredit ist am teuersten

Welcher Kredit ist in Österreich wohl am teuersten? Der Kontokorrentkredit. Kunden bezahlen bis zu 18 Prozent plus Bearbeitungsgebühren für eine zeitweilige Überziehung des Kontos. Die Arbeiterkammer fordert – auch angesichts der niedrigen EZB-Leitzinsen – dass diese unverhältnismäßige Zinslast sinken soll.

Vielen Kunden sind der enormen Kosten nicht bewusst

Schnell mal die Ebbe auf dem Konto mit einer Überziehung ausgleichen – viele Kontobesitzer nehmen den Kontokorrentkredit in Anspruch, um Zahlungsschwierigkeiten zu überbrücken. Das Guthaben auf dem Bankkonto wird quasi gar nicht verzinst, wenn das Konto aber ins Minus rutscht muss der Kunde kräftig in die Tasche greifen – vor allem in Österreich. Bleiben die roten Zahlen in einem vorab definierten Rahmen, werden, je nach Kreditinstitut, bis zu 13,25 % an Zinsen fällig. Vielen Kunden sind sich diese enormen Kosten allerdings nicht bewusst.

Bis zu 18 Prozent Überziehungs-Zinsen

Wer den von der Bank gewährten Überziehungsrahmen sprengt, muss zusätzlich noch Strafzinsen bezahlen. Diese können zusätzlich noch einmal 5 % ausmachen – insgesamt kommen Kunden bei den teuren Banken damit auf einen Zinssatz von 18,25 %. Zudem muss der Kunde eine Bearbeitungsgebühr von bis zu zehn Euro für nicht getätigte Überweisungen aufgrund mangelnder Kontodeckung bezahlen.

Banken leihen sich derzeit Geld für 0,19 %

Eine unglaubliche Zahl, die noch mal an Brisanz zunimmt, wenn der derzeitige Ein-Monats-Libor dem gegenübergestellt wird. Mit diesem Begriff wird jener Zinssatz betitelt, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen. Derzeit liegt dieser bei 0,19 % – auch wegen der niedrigen EZB-Leitzinsen von 0,25 %. Die EZB hält die Leitzinsen seit Krisenbeginn auf einem konstant niedrigen Niveau, damit mehr Unternehmen investieren und die Wirtschaft so gestützt wird. Wer also seinen Disporahmen überzieht bezahlt bis zu 18 % Zinsen und eine Bearbeitungsgebühr, während sich Banken für 0,19 % Geld leihen können. Die Gewinnspanne ist also enorm. Angesichts dieser Zahlen fordert die Arbeiterkammer Wien eine Senkung der Dispozinsen.

„Verführung“ zum Schuldenmachen

Die Schuldnerberatung Wien sieht in dem Überziehungskredit auch ein Instrument, das zum Schuldenmachen verführt. Bereits Jugendliche erhielten nach einigen fixen Einzahlungen bereits das Angebot, ihren Einkaufsrahmen zu erweitern und so auf „Pump“ einzukaufen. Als „Erziehung zum Schuldenmachen“ betitelt die Schuldnerberatung diese Praxis. Vor allem deshalb, wie der Kontokorrentkredit meist der Beginn der Schuldenspirale sei. Somit fordert die Schuldnerberatung ein generelles Verbot von Überziehungen oder, alternativ, ein „Recht zur Überziehung“, das langfristig erworben werden muss.

Während in Österreich die Kontoüberziehung zur Selbstverständlichkeit gehört, muss in Deutschland erst ein Dispo-Kredit eingeräumt werden. In Großbritannien hingegen läuft die kurzfristige Verschuldung über die Kreditkarte, nicht über das Konto.

Beispiele für besondere Überbrückungskredite die Online abgeschlossen werden können zeigt das Geldjournal.at. Problematisch sind dabei aber die relativ hohen Zinsen und die Gebühren die gerade bei kurzen Laufzeiten stark ins Gewicht fallen können.

Nachbar Deutschland senkt Dispozinsen

In Deutschland wird indes schon reagiert: Der Direktor der Direktbank ING-Diba hat Mitte Februar angekündigt, die Überziehungszinsen für die Kunden zu reduzieren. Der Strafzins wird abgeschafft. Wer den Kreditrahmen überschreitet, bezahlt den „normalen“ Zinssatz. Dieser ist nun von 8,5 auf 7,95 % heruntergeschraubt worden – vorher lag der Zinssatz inklusive Strafzins bei 12 %. Laut dem ING-DiBA Direktor Roland Boekhout  seinen zweistellige Zinssätze allerdings nicht mehr vertretbar.